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Da bin ich in Rumänien zuhause

Zmorge bei Ipates
Zmorge bei Ipates

Mittwoch, 24. Juli. Und dann sind wir einfach zuhause. Ein Tag wie in Eden. Der Hof von Ionel und Marias Haus versprüht Frieden und die Freude der Geschichte, die wir mit ihnen haben.

Wir verbringen den Morgen hier, werden zum zmittag mit rumänischen Spezialitäten (Sarmale und Ardei impluti) verwöhnt, spielen am Nachmittag Fussball, Tischtennis und Rummy mit den Kindern aus Verseni, am Abend gibt’s ein Gratar, und die Zeit ist wieder breit und fett.
Und ich bedaure, dass es nur einen solchen Miroslovesti-Tag gibt auf dieser Reise…
Also schreibe ich heute nicht mehr, sondern geniesse es…

 

Sarmale und Ardei Implut - da macht sogar Yael mal Vegi-Pause
Sarmale und Ardei Implut – da macht sogar Yael mal Vegi-Pause
action in der "Arena der Freundschaft" des Kinderheims
action in der “Arena der Freundschaft” des Kinderheims

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Ein Klassiker und die andere Seite der Medaille

Die Tauben auf dem Dach: Heim nach Miroslovesti
Die Tauben auf dem Dach: Heim nach Miroslovesti

Dienstag, 23.7. Wieder mal Patent Ochsner: “S chunnt aebe so wie s chunnt und so wie s chunnt chunnts aebe guet.” – Der Weg vom Delta in den Norden.

Frühmorgens steigen wir ins Boot, das uns aufs Festland bringt. Von dort fahren wir nochmals durch die traumhaften Delta-Kanäle und dann nach Hause. In Rumänien heisst das: nach Miroslovesti zu Ionel und seiner Frau Maria. Elishas grässlicher Sonnenbrand hat leicht nachgelassen, und auch Ionel selber macht nach seiner Magenverstimmung wieder Witze.

Rumaenisches Deja-Vu

Die Witze vergehen uns jedoch, als wir das Auto starten wollen. Tot. Ich war mir zwar ganz sicher, alles kontrolliert zu haben, als wir das Auto hier abgestellt hatten, aber was nützts, die Chance ist wohl trotzdem am grössten, dass ich irgendetwas angelassen hatte, das die Batterie total entlud.
Überbrückungskabel hat niemand der Rumänen hier im Auto, Anstossen geht nicht.
Ich suche die Notfall-Nummer der Autovermietung heraus und ernte rundherum Gelächter: „Da könntest Du geradesogut in die Schweiz anrufen, die wären schneller hier als die Rumänen.“ …und dann hab ich ein Déjŕ-Vu. Als wir vor 7 Jahren Ionels Auto während zwei Wochen ausgeliehen bekamen, haben in der Zeit sicher vierundzwanzig Menschen mal am Motor etwas herumgebastelt, weil immer wieder mal was nicht funktionierte… und auch jetzt stecken fünf Rumänen ihre Köpfe unter die Motorhaube und diskutieren angeregt „ichweissnichtwas“, es geht so schnell und angeregt, dass ich keine Chance habe, etwas zu verstehen.

Was man bei uns nie tun sollte…

Dann beginnt Nelu die Kabel ab der Batterie zu schrauben, und Dani holt zu meinem Schrecken die Batterie aus seinem Boot, während ein weiterer Rumäne etwas kabelähnliches heranführt. Zuerst versuchen sie den Dacia mit der Boots-Batterie zu starten und dann schnell die Batterie-Kabel an die Auto-Batterie zu transferieren. Starten klappt, aber es hängt zu viel Elektronik an der Autobatterie. Zweiter Versuch, mir stehen die Haare zu Berge: Mit blossen Händen drücken die Rumänen das Kabel auf die Kontakte der Batterien und überbrücken auf diese Weise – und zwar mit Erfolg!

Synergie, praktisch

Und das ist dann eben die andere Seite vom Blog von gestern. Die Rumänen sind „Bastler“, und weil sie immer damit rechnen, dass etwas nicht richtig funktioniert, sind sie auch gut darin, Dinge „irgendwie zurecht zu basteln“. Weil sie sich nie auf institutionelle Hilfe verlassen (können), hilft immer gerade der, der gerade in der Nähe ist.

Beides gehört zusammen. Und wenn Verseni von der Schweizer Hartnäckigkeit profitiert, so profitieren wir Schweizer immer wieder in Situationen wie dieser. So geht Synergie, oder?

Nachtrag:
Auf dem Weg „nach Hause“ fahre ich zum ersten mal seit drei Jahren wieder die grosse Süd-Nord-Achse entlang: soviel neue Gebäude, moderne Läden, Restaurants, fertiggebaute Kirche, Weg-Kapellen, und das alles entlang einer breiten Strasse in bestem Zustand. Eben, da KANN ich nicht anders als das Graffiti vom ersten Abend in Bukarest wiederholen: Totul o sa fie bine…

Nachtrag 2:
Zwei kleine Dinge möchte ich nicht vergessen. In Galati wird die Hügelkette vor der Stadt von einem Monstrum von Stahl-Fabrik-Kombinat beherrscht, das nach den verrostenden Überresten einer gegenseitigen Zerstörungsschlacht der „Transformers“ aussieht. Über drei Kilometer Länge und 200 Meter Höhe türmen sich die verschiedenen braunroten Gebäude, Verbindungen, Rohre etc. – Kein Wunder, heisst der Fussballclub „Otselul Galati“ („der Stahl Galati“).

Ein Stueck Auto verloren (rechts wie es sein sollte...)
Ein Stueck Auto verloren (rechts wie es sein sollte…)

Und dann, irgendwo zwischen Galati und Bacau, hören wir im Auto ein sehr merkwürdiges „PLOPP“, wie wenn ein einzelner überdimensionierter Regentropfen vom „otsel-blauen“ Himmel auf unser Autodach gefallen wäre. Wir schauen uns um, und da wir nichts entecken, fahren wir unbekümmert weiter. Erst am Abend stellen wir fest: Wir haben ein Stück Auto verloren! Zum Glück ist es „nur“ der vordere Teil des Dachgepäck-Bügels – und dass der einfach so abfällt, ist doch eher überraschend…