Freitag, 26.7.: Dieser Freitag hat noch mehr Lektionen für mich parat. Nach der Salzmine ein Nachmittag inmitten der Tausenden von Menschen im und am Salzsee… aber nichts ist so, wie es der Erwartung nach sein sollte.
Das Erlebnis der Untergrund-Stadt noch in den Knochen geht es zum Zmittag zurück an den Lacu Ursu, genauer ins Dracula-Restaurant, wo ich eine traditionelle Bohnen-Suppe zu meiner Überraschung in einem Brot drin serviert bekomme – das ist unglaublich lecker und ein Foto wert.



Dann kommen wir nicht drum rum, in den Salzsee zu gehen. Das wäre ja ein bisschen wie zum ersten mal Basel besuchen und nicht Fähre fahren…
Salz durchschwimmen
Also warten wir, bis mensch wieder ins Wasser darf, und suchen uns ein Plätzchen auf dem Holzsteg, der aber schon eng besetzt ist von Menschen allen Alters und aller Art. Irgendwie finden wir einen halben Quadratmeter. Tobit und ich gehen ins Wasser und durchschwimmen den See kreuz und quer. Eine halbe Stunde reicht dazu. Die Luftlinie zwischen den Ufern ist ja nicht so lang, jedoch müssen Tobit und ich ständig um Menschen herum schwimmen, weil fast alle im Wasser sich kaum bewegen, sondern einfach „da sind“. Die überwiegende Mehrheit übrigens trägt Flügeli oder Schwimmringe, weil Schwimmen hier nicht automatisch als Kind gelernt wird.
Das Wasser ist sehr, sehr salzig, und untergehen scheint irgendwie total unmöglich. Ich hatte mich am Morgen rasiert, und die Haut brennt jetzt wie verrückt.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich danach dann den Rest vom Tag echt gut gefühlt habe, das Salz hat seine Wirkung bei mir nicht verfehlt.
Nach dem Baden trocknen wir uns ab, legen uns auf unsere Tücher, und … nun, es bleibt gar nichts anderes übrig, als den Menschen zu zu schauen. Eine derart grosse Masse an badewilligen Menschen so eng aufeinander hab ich überhaupt noch nie erlebt, und es ist fast wie Kino.
Da hat es einfach alles, a l l e s !!! an Menschen, Alter, Höhe, Breite, Tiefe, Physiognomie. Es hat Familien, junge verliebte Päärchen und Pensionierte.
Aber es ist zu meiner Überraschung weder peinlich noch abgeschmackt noch ein „Fleischmarkt“. Jeder und Jede scheinen hier einfach so zu sein, wie sie gerade sind, und damit ganz zufrieden zu sein, ohne etwas darstellen zu müssen, und ohne sich ab der physischen Nähe der anderen Menschen zu stören.
Und das ist nun wirklich noch einmal eine grosse Überraschung, diese Absenz von „Posing“, wie sie bei uns in Thermalbädern, Kurorten und Freibädern zum Alltag gehört.
Deshalb beschliesse ich, diese Stimmung fest zu halten und sie temporär zu meinem Titelbild zu machen. Denn auch hier musste ich sagen: SO etwas hätte ich im Leben nie erwartet, es ausgerechnet hier zu erleben.
…und immer noch ist der Tag nicht zu ende. Nach dem der See um sechs Uhr zu geht, führt uns Ovidiu zu einem kleinen Nebensee, den er auf einem Spaziergang gefunden hat, und zeigt uns einen neuen, tollen Klettergarten mit allen Schikanen.Zum Glück verschieben wir das auf den nächsten Morgen – ich muss erst mal diesen Tag verarbeiten…